Freundschaft ist ein kostbares Gut, das gepflegt und geschätzt werden sollte. Freunde sind Menschen, die uns in guten und schlechten Zeiten beistehen, die uns verstehen und akzeptieren, die uns ermutigen und manchmal herausfordern. Sie ist eine Form der Liebe, die auf gegenseitiger Wertschätzung, Vertrauen und Respekt beruht – und mit deren verschiedenen Aspekten wir uns in dieser Ausgabe beschäftigen möchten.

In den biblischen Büchern finden wir Beispiele für tiefe und treue Freundschaften, wie die zwischen David und Jonatan (1. Samuel 18-20), Jesus und seinen Jüngern (Johannes 13-17) oder Paulus und seinen Mitarbeitern (Römer 16). Diese Freundschaften zeichnen sich durch Hingabe, Loyalität, Ehrlichkeit, Fürsorge und Gemeinschaft aus. Sie spiegeln das Wesen Gottes wider, der selbst unser Freund sein will. Der Schutzpatron des Bistums Trier Matthias hält über dem Portal der gleichnamigen Basilika ein Buch mit der Aufschrift: „Vos amici mei estis“ (Ihr seid meine Freunde) in der Hand, Jesus geht in Johannes 15,15 geht sogar noch weiter: „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; denn der Knecht weiß nicht, was sein Herr tut. Euch aber habe ich Freunde genannt; denn alles, was ich von meinem Vater gehört habe, habe ich euch kundgetan.“

Freundschaft ist also ein Geschenk Gottes an uns Menschen, das wir dankbar annehmen und pflegen sollten. Doch wie können wir das tun in einer Zeit der Digitalisierung, die unsere Kommunikation und unsere Beziehungen verändert? Sie bietet uns viele Möglichkeiten, mit unseren Freunden in Kontakt zu bleiben oder neue Freunde zu finden. Wir können über soziale Netzwerke, Messenger-Dienste oder Videokonferenzen miteinander kommunizieren, unabhängig von Zeit und Ort. Wir können uns über gemeinsame Interessen austauschen, uns gegenseitig unterstützen oder einfach Spaß haben.

Dennoch hat die Digitalität aber auch Herausforderungen. Wir müssen uns fragen, wie wir mit der Fülle an Informationen und Kontakten umgehen, die uns zur Verfügung stehen. Wie können wir unsere Aufmerksamkeit und unsere Zeit sinnvoll verteilen? Wie können wir echte von falschen oder oberflächlichen Freunden unterscheiden? Wie können wir unsere Privatsphäre und unsere Daten schützen? Wie können wir Konflikte oder Missverständnisse vermeiden oder lösen? Wie können wir die Qualität und Tiefe unserer Freundschaften bewahren oder verbessern?

Diese Fragen erfordern von uns eine kritische Reflexion über unseren Umgang mit digitalen Medien und eine bewusste Gestaltung unserer Freundschaften. Wir sollten nicht vergessen, dass digitale Kommunikation niemals den persönlichen Kontakt ersetzen kann. Wir brauchen auch Begegnungen von Angesicht zu Angesicht, in denen wir uns in die Augen schauen, uns berühren oder umarmen können. Wir brauchen auch gemeinsame Erlebnisse, in denen wir miteinander lachen oder weinen können. Wir brauchen auch Zeiten der Stille und des Gebets, in denen wir Gott danken können für seine Gegenwart in unseren Freunden.

Freundschaft ist eine Herausforderung in einer Zeit der Digitalisierung, die unsere Kommunikation und unsere Beziehungen verändert. Freundschaft ist eine Chance, das Wesen Gottes widerzuspiegeln, der selbst unser Freund sein will.

Verfasst von Simone
Bild: midjourney.com, prompted by FrauEmmen

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