Wie kann ich mit meinen Schüler*innen über die Klimakrise sprechen, ohne in moralische Endlosschleifen oder hilflosen Pessimismus zu geraten? Wie gelingt es, Hoffnung zu vermitteln – und gleichzeitig zur Verantwortung zu ermutigen?

Mit dem Projekt „Klimakünstler“ schlagen wir eine Brücke zwischen dem Engagement junger Menschen für das Klima und den prophetischen Stimmen der Bibel. Gerade am Anfang der Einheit zu den Propheten (Klasse 7) oder in der Schöpfungsreihe (Klasse 8) bietet sich ein starker, lebensnaher Einstieg: Schüler*innen werden selbst zu Stimmen des Protests – kreativ, wachrüttelnd, humorvoll.

Klimakrise trifft Prophetie: ein starker Start

Im September, rund um den globalen Klimastreik, bietet sich ein aktueller Aufhänger. Nach einem kurzen Einstieg ins Thema – etwa durch Schlagzeilen, Bilder aus der Lebenswelt oder eine persönliche Frage („Was macht dir Sorgen, wenn du an die Zukunft der Erde denkst?“) – entdecken die Jugendlichen, dass es auch in der Bibel Menschen gab, die Missstände benannt und laut protestiert haben: die Propheten. Diese Verknüpfung gibt dem Projekt Tiefe: Die Schüler*innen spüren, dass ihre Kritik nicht im luftleeren Raum steht – sondern Teil einer langen Tradition ist.

Dieses Jahr konnten wir über die Waldbrände im Hohen-Venn und die Qualmwolken, die bis zu uns in die Eifel kamen, einsteigen. Jede*r konnte sich noch an das Wochenende erinnern und die Jugendlichen berichteten lebhaft, was sie gemacht haben, als sie den Qualm zum ersten Mal wahrgenommen haben. Hinzu kam ein Artikel aus der hiesigen Presse über ein Mädchen, dass daraufhin eine Klimademo in Trier anmeldete. Unser Aufhänger war also, dieses Mädchen zu unterstützen.

Und dann geht’s los: Klimakunst aus dem Klassenzimmer

In der kreativen Arbeitsphase entwickeln die Schülerinnen eigene Beiträge. Wichtig: Die Formen sind offen – so kann jeder nach seinen Stärken arbeiten. Hier einige Ideen, die sich bewährt haben:

🖍️ Kreidebotschaften auf dem Schulhof

Einfach, aber wirkungsvoll: Schüler*innen schreiben Klimabotschaften mit bunter Kreide auf den Pausenhof oder vor den Schuleingang.
Beispiel: „Gott gab uns die Erde – nicht zum Wegwerfen!“ oder „Propheten würden heute fürs Klima streiken“.
Tipp: Vorher gemeinsam überlegen, was angemessen und gut sichtbar ist. Es entstehen beeindruckende Statements – mit ganz wenig Material.

📸 Memes mit Botschaft

Für viele Schüler*innen ein Highlight: Ein bekanntes Bild mit einem eigenen, witzigen Text kombinieren – und dabei eine ernste Botschaft transportieren.
Beispiel: Das berühmte „This is fine“-Meme, aber mit dem Text: „Die Erde brennt – und wir diskutieren über Tempolimit?“
Umsetzung geht ganz einfach: online mit Tools wie canva.com, imgflip oder sogar PowerPoint. Auch analoge Skizzen sind möglich. Wichtig ist: Humor ja, Respekt und Ernsthaftigkeit trotzdem wahren.

📰 Upcycling-Kunstwerke

Hier entstehen Collagen oder Plakate aus alten Zeitungen. Überschriften, Bilder und Schnipsel werden so kombiniert, dass eine neue Botschaft entsteht.
Beispiel: Eine Schlagzeile wie „Hitzerekorde in Europa“ neben einer Bibelstelle über Verantwortung.
Diese Methode eignet sich auch gut für leise Schüler*innen – und für Gruppenarbeit.

🥠 Klimakekse mit Botschaft

Eine kreative Idee mit Überraschungseffekt: Glückskekse, in denen keine Weisheiten, sondern kurze Klimawarnungen oder Bibelverse zur Schöpfung stecken.
Beispiel: „Wenn du meinst, einer kann nichts ändern – versuch mal, im Klassenzimmer ein Fenster zu öffnen.“
Die Kekse können gebastelt werden (z. B. aus Papierstreifen mit eingewickelter Botschaft in altem Zeitungspapier). In der Schule verteilt, regen sie zum Schmunzeln – und zum Nachdenken – an.

📲 Social-Media-Beiträge

Für medienaffine Schülerinnen oder Lerngruppen mit Handyfreigabe: Instagram-Posts oder kleine Reels mit Klimabotschaft.
Beispiel: Ein „before/after“-Foto vom Schulhof mit Müll – und sauberem Bild danach. Oder ein kurzer Clip, in dem Schüler
innen „Sätze heutiger Propheten“ sprechen.
Auch wenn keine offizielle Schulseite bespielt wird, können die Beiträge intern gezeigt oder in einer TaskCard wie dieser mit weiteren Beispielen aus meinem Unterricht eingebunden werden.

Sichtbar machen, was bewegt

Ein entscheidender Teil des Projekts: Die Ergebnisse sollen nicht in der Schublade verschwinden, sondern öffentlich werden – auf dem Schulhof, im Schulgebäude oder (mit Einverständnis) auf der Schulhomepage.
Das erzeugt Stolz, Gesprächsanlässe – und zeigt: Engagement ist erwünscht.

Natürlich braucht das Projekt etwas Mut: Denn es lässt Freiräume, setzt auf Kreativität – und bedeutet für uns Lehrende auch, ein Stück Kontrolle abzugeben. Aber es lohnt sich. Jedes Mal überraschen mich die berührenden, klugen oder lustigen Ergebnisse. Und die Klassen werden danach mit ganz anderen Augen auf Amos & Co. schauen.

Idee vorgestellt von Simone.
Bild: ChatGPT
Text: unterstützt von ChatGPT

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